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Geld verstehen

Was ist Inflation – und warum wird alles teurer?

Im September 2026 lag die Inflationsrate in Deutschland vorläufig bei 3,3 %. Was heißt das für dein Portemonnaie – und wer misst das eigentlich?

  • Von Chris
  • Zuletzt geprüft: 5. Oktober 2026
  • 5 Min. Lesezeit
  • Einsteiger

Rate mal

Angenommen, ein typischer Warenkorb privater Haushalte hätte im Durchschnitt des Jahres 2020 genau 100 € gekostet. Was kostet derselbe Warenkorb im August 2026?

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Richtig ist: rund 126 €.

Rund 126 €. Das Statistische Bundesamt gibt den Verbraucherpreisindex für August 2026 mit 125,8 an (2020 = 100). Die Preise liegen im Durchschnitt also gut ein Viertel höher – dein persönlicher Warenkorb kann davon abweichen.

Kurz gesagt

  1. Inflation heißt: Das Preisniveau steigt, derselbe Betrag kauft weniger. Im September 2026 lag die Rate in Deutschland vorläufig bei 3,3 %.
  2. Gemessen wird sie vom Statistischen Bundesamt mit einem Warenkorb aus rund 700 Güterarten; die EZB strebt mittelfristig 2 % im Euroraum an.
  3. Zinsen schützen nur dann vor Kaufkraftverlust, wenn sie höher sind als die Preissteigerung. Sonst schrumpft die Kaufkraft, obwohl der Kontostand wächst.

Was heißt Inflation – und was ist die Inflationsrate?

Inflation heißt: Das Preisniveau steigt. Waren und Dienstleistungen kosten im Durchschnitt mehr als vorher. Derselbe Betrag kauft dadurch weniger – das Geld verliert an Kaufkraft.

Die Inflationsrate vergleicht die Preise mit denen des Vorjahresmonats. Bei 3,3 % kostet ein typischer Einkauf, der vor einem Jahr 100 € gekostet hat, jetzt im Durchschnitt 103,30 €. Einzelne Preise können weit darüber oder darunter liegen.

Wichtig: Deine persönliche Rate kann abweichen. Wer viel tankt oder heizt, spürt Energiepreise stärker als andere.

Wie wird Inflation gemessen?

Das Statistische Bundesamt (Destatis) erfasst jeden Monat Preise und berechnet daraus den Verbraucherpreisindex (VPI). Das ist eine Messzahl für die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte kaufen.

Grundlage ist ein Warenkorb mit rund 700 Güterarten. Nicht jedes Gut zählt gleich. Von je 1.000 € im Warenkorb entfallen laut Gewichtung rund 74 € auf Haushaltsenergie und Kraftstoffe, rund 105 € auf Nahrungsmittel.

Der Index setzt das Jahr 2020 gleich 100. Im August 2026 stand er bei 125,8. Derselbe Warenkorb kostet im Durchschnitt also rund 26 % mehr als 2020.

Wie hoch war die Inflation – und sinken Preise auch mal?

Inflationsrate in Deutschland (Verbraucherpreisindex)

ZeitraumInflationsrateArt des Werts
20213,1 %Jahresdurchschnitt
20226,9 %Jahresdurchschnitt
20235,9 %Jahresdurchschnitt
20242,2 %Jahresdurchschnitt
20252,2 %Jahresdurchschnitt
Juli 20262,8 %zum Vorjahresmonat
August 20262,9 %zum Vorjahresmonat
September 20263,3 %zum Vorjahresmonat, vorläufig

Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilungen vom 16.01.2026 und 30.09.2026; Stand 05.10.2026. Das Endergebnis für September 2026 erscheint am 13.10.2026.

Der aktuellste Wert ist der vorläufige für September 2026: +3,3 %, veröffentlicht am 30.09.2026. Die Kerninflation – die Rate ohne Nahrungsmittel und Energie – liegt bei 2,4 %. Energie allein verteuerte sich um 14,9 %.

Die Rate verläuft nicht gerade. Im Dezember 2025 lag sie bei 1,8 % – erstmals im Jahr 2025 unter 2 %. Im Juni 2026 waren es 2,3 %, im September vorläufig 3,3 %.

Sinkt die Inflationsrate, sinken nicht automatisch die Preise. Fiel die Rate von 6,9 % (2022) auf 2,2 % (2024), stiegen die Preise weiter – nur langsamer. Die Bundesbank nennt das Disinflation.

Einzelne Preise sinken durchaus: 2025 wurde Energie im Schnitt 2,4 % billiger. Auch der Gesamtindex gibt manchmal nach, im Juni 2026 etwa von 125,0 auf 124,6. Zum Vorjahresmonat lag er seit Januar 2022 aber in keinem Monat niedriger.

Was treibt die Preise – und was will die EZB?

Meist wirken mehrere Ursachen zugleich. Die Bundesbank unterscheidet:

  • Nachfrage: Wollen Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland mehr kaufen, als angeboten wird, steigen die Preise.
  • Angebot und Kosten: Werden Energie oder Vorprodukte teurer oder Lieferketten gestört, geben Unternehmen die Mehrkosten oft weiter.
  • Löhne: Sie sind für Unternehmen ein großer Kostenblock. Steigen sie, versuchen Unternehmen oft, das über Preise auszugleichen.

Auf lange Sicht gehört auch die Geldmenge dazu: Eine anhaltend höhere Inflation geht laut Bundesbank immer mit übermäßigem Geldmengenwachstum einher. Wie Geld entsteht, erklärt Wie entsteht eigentlich Geld?

Die EZB hält Preisstabilität für am besten gewahrt, wenn sie mittelfristig 2 % Inflation anstrebt. Das Ziel ist symmetrisch: Abweichungen nach oben und nach unten sind gleichermaßen unerwünscht. Preisstabilität heißt nicht, dass kein Preis steigt: Anstiege bei einigen Gütern dürfen Rückgängen bei anderen gegenüberstehen.

Gemessen wird mit dem HVPI, dem harmonisierten Verbraucherpreisindex für den Euroraum – nicht mit dem deutschen VPI. Kurzfristige Abweichungen vom Ziel lässt die EZB ausdrücklich zu. Wohin die Rate als Nächstes geht, weiß niemand. Wir auch nicht.

Was macht Inflation mit deinem Geld?

Inflation ist ein stiller Verlust: Der Betrag bleibt gleich, die Kaufkraft schrumpft. Dein Kontostand zeigt das nicht an.

Kaufkraft von 100 € bei 2 % Inflation pro Jahr

Betrag heute
100,00 €
Kaufkraft nach 10 Jahren (in heutigen Preisen)
82,03 €
Kaufkraft nach 20 Jahren (in heutigen Preisen)
67,30 €

Annahmen: 100 € ohne Zinsen, zum Beispiel als Bargeld. Die Preise steigen jedes Jahr um 2 %. Keine Steuern, keine Kosten. Umgekehrt gerechnet: Was heute 100 € kostet, kostet nach 10 Jahren 121,90 € und nach 20 Jahren 148,59 €. Das ist eine Rechnung, keine Vorhersage.

Zins und Kaufkraft sind zwei verschiedene Dinge. Zins ist der Betrag, um den dein Guthaben wächst. Kaufkraft ist das, was du dafür kaufen kannst.

Wächst dein Guthaben langsamer als die Preise, sinkt die Kaufkraft – obwohl der Kontostand steigt. Den Zins nach Abzug der Preissteigerung nennt man Realzins. Ist er negativ, verlierst du Kaufkraft.

Realzins im Beispiel: 1.000 € bei 1 % Zins und 3 % Inflation

Guthaben heute
1.000,00 €
Guthaben nach einem Jahr (1 % Zins)
1.010,00 €
Kaufkraft dieses Guthabens, in heutigen Preisen gemessen
980,58 €
Realzins (1,01 ÷ 1,03 − 1)
−1,94 %

Annahmen: Beispielwerte, keine Angebote: 1 % Zins pro Jahr, die Preise steigen in dem Jahr um 3 % (im September 2026 lag die Rate bei 3,3 %). Keine Steuern, keine Kosten. Faustformel: 1 % − 3 % ≈ −2 %. Das ist eine Rechnung, keine Vorhersage.

Was du jetzt tun kannst

  • Prüfe deine persönliche Rate: Der persönliche Inflationsrechner von Destatis passt den Warenkorb an deine Ausgaben an.
  • Wer Erspartes hat, kann den Zins seines Kontos neben die aktuelle Inflationsrate legen. Liegt er darüber, wächst die Kaufkraft – liegt er darunter, nicht.
  • Wer wissen will, was ein Betrag in 10 oder 20 Jahren noch kaufen kann, rechnet im Inflationsrechner mit verschiedenen Raten.

Teste dich selbst

Die Inflationsrate beträgt 3 %. Was bedeutet das?

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Richtig ist: Die Preise liegen im Durchschnitt 3 % höher als vor einem Jahr.

Richtig, weil die Inflationsrate die durchschnittliche Preisveränderung gegenüber dem Vorjahr misst. Einzelne Preise können viel stärker steigen oder sogar sinken.

Die Inflationsrate fällt von 6,9 % auf 2,2 %. Was heißt das?

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Richtig ist: Die Preise steigen weiter, nur langsamer.

Richtig, weil eine sinkende Rate nur ein langsameres Plus bedeutet (Disinflation). Von Deflation spricht die Bundesbank erst, wenn das Preisniveau über längere Zeit sinkt.

Dein Guthaben bringt 1 % Zins, die Preise steigen um 3 %. Was passiert mit der Kaufkraft?

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Richtig ist: Sie sinkt, weil der Zins unter der Preissteigerung liegt.

Richtig, weil der Realzins hier etwa −2 % beträgt. Aus 1.000 € werden 1.010 €, die in heutigen Preisen nur noch 980,58 € wert sind.

Das kannst du jetzt

  • Du kannst erklären, was Inflation ist und wie das Statistische Bundesamt sie mit einem Warenkorb misst.
  • Du kannst nennen, wie hoch die Inflation in den letzten Jahren war, und sagen, welches Ziel die EZB verfolgt.
  • Du kannst den Unterschied zwischen Zins und Kaufkraft erklären und einen Realzins grob ausrechnen.

Dein nächster Schritt

Rechne selbst nach, was ein Betrag bei verschiedenen Inflationsraten in 10 oder 20 Jahren noch kaufen kann.

Zum Inflationsrechner

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Quellen

Zuletzt geprüft: 5. Oktober 2026. Wir haben die Seiten an diesem Tag geöffnet. Zahlen und Regeln können sich ändern.

  1. Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im September 2026 voraussichtlich +3,3 % (Pressemitteilung Nr. 348 vom 30.09.2026) (öffnet in neuem Tab)
  2. Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im Jahr 2025 bei +2,2 % (Pressemitteilung Nr. 019 vom 16.01.2026) (öffnet in neuem Tab)
  3. Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex und Inflationsrate (öffnet in neuem Tab)
  4. Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex, Gesamtindex und 12 Abteilungen (Stand 10.09.2026) (öffnet in neuem Tab)
  5. Statistisches Bundesamt: Persönlicher Inflationsrechner (öffnet in neuem Tab)
  6. Europäische Zentralbank: Monetary policy strategy (Inflationsziel) (öffnet in neuem Tab)
  7. Europäische Zentralbank: EZB-Rat aktualisiert seine geldpolitische Strategie (30.06.2025) (öffnet in neuem Tab)
  8. Deutsche Bundesbank: Geld und Geldpolitik, 5. Der Wert stabilen Geldes (öffnet in neuem Tab)

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